Er widmete sie „dem lieben Gott“, doch der Allmächtige ließ ihm nicht die Zeit, sein Werk zu vollenden: Als Anton Bruckner 1896 starb, hinterließ er seine letzte Sinfonie dreisätzig – das Finale war zum großen Teil nur skizziert. Seit Jahrzehnten ringen Wissenschaftler darum, diese Neunte im Sinne des Meister-Sinfonikers zu vollenden. Die Berliner und New Yorker Aufführungen der vervollständigten, viersätzigen Fassung im Februar 2012, an der ein Wissenschaftler-Team fast 30 Jahre arbeitete, fällt mit einem besonderen Jubiläum zusammen: der zehnjährigen Partnerschaft von Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern.
„Die Philharmoniker spielen mit enormer Intensität, geführt von einem Dirigenten, der sich die ausgefuchsten Details diesmal versagt und stattdessen den Riesenatem dieser Partitur souverän beschwört“, so die Berliner Zeitung. „Rattle bringt uns diese bekannte unbekannte Neunte … mit großer Zärtlichkeit näher“, schrieb der Tagesspiegel. „Wild ist sie und erschreckend, hebt Zeit und Raum aus den Angeln und leuchtet durch das Jüngste Gericht hin zur Auferstehung.“
Bruckners viersätzige Neunte ist ab 18. Mai 2012 überall im Handel erhältlich.
Simon Rattle und Plácido Domingo sind in Israel mit dem angesehenen Wolf-Preis ausgezeichnet worden.
Der Dirigent und der Tenor teilen sich den mit 100 000 Dollar (knapp 80 000 Euro) dotierten Preis, der seit 1978 alljährlich von der Wolf Foundation an Künstler und Wissenschaftler vergeben wird.
Überreichen wird ihn am 13. Mai Staatspräsident Schimon Peres persönlich. Domingo sei einer der größten Tenöre aller Zeiten, hieß es in der Begründung der Jury. Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, wurde für sein "breites Repertoire und die hohe Qualität der musikalischen Ausführung" gelobt.
Am 26. August eröffnen die Berliner Philharmoniker die neue Saison 2011/12 – auf dem Konzertprogramm steht Mahlers Sinfonie Nr.7. Dieses Konzert ist der Auftakt der Tournee, die Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker nach Salzburg, Luzern, Frankfurt und Köln führt.
26.08.: Berlin, Philharmonie
28. & 29.08.: AT - Salzburg, Großes Festspielhaus
31.08. & 01.09.: CH - Luzern, Kultur und Kongresszentrum
02.09.: Frankfurt, Alte Oper
03.09.: Köln, Philharmonie
Die Musik Arnold Schönbergs spielt in Simon Rattles Arbeit als Dirigent schon lange eine besondere Rolle. Nach wie vor ist seine Einspielung der frühen, gewaltig besetzten Gurrelieder mit den Berliner Philharmonikern aus dem Jahre 2002 ein diskografisches Highlight. Die Schönberg-Aufnahme, die im Herbst 2009 live in der Berliner Philharmonie entstand, zeigt den Komponisten nun im Ringen um die Musiksprache der Moderne – in der Reibungsfläche zwischen Tradition und Neuer Musik.
Arnold Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielszene von 1929 ist ein experimentelles Stück, in dem sich erstmals Filmmusik und Expressionismus begegnen. Die Kammersinfonie Nr. 1 stammt aus einer noch früheren Schaffenszeit: Im Jahre 1906 mahnte Schönberg damit auf neuer, moderner Ebene eine Rückkehr zu klassischen Idealen an, deren Techniken er analytisch aus den Werken seines großen Vorbilds Johannes Brahms herausdestillierte – eines Komponisten, mit dem sich Rattle im Rahmen einer Gesamtaufnahme der vier Sinfonien eingehend befasste. Die 1935 entstandene berühmte Orchester-fassung von Brahms’ Klavierquartett g-moll, inspiriert vom Wunsch, der Musik des verehrten Meisters ganz und gar auf den Grund zu gehen, zeigt sich dabei als großes kompositorisches Experiment, mit dem Schönberg fast so etwas wie eine „fünfte Brahms-Sinfonie“ schuf.
Ab 26. August 2011 erhältlich.
„Die Besetzung allein versuchte schon alle Himmel zu stürmen. Rattle zeigt kraftvolles Temperament, er engagiert sich ausdrücklich für diese Aufführung, die von Höhepunkt zu Höhepunkt wandert, um am Ende geradezu in musikalischem Orgasmus zu verglühen. Lange hielt das Publikum den Atem an, bevor sich die Spannung in Jubel löste.“ Das Konzertereignis, das hier in der Berliner Morgenpost beschrieben wird, sorgte im Oktober 2010 für einen Höhepunkt der Musikszene. Simon Rattle dirigierte am Pult der Berliner Philharmoniker Mahlers monumentale Zweite, die "Auferstehungs-Sinfonie". Der Live-Mitschnitt ist ein weiterer Höhepunkt in Rattles Diskografie.
Schon sehr lange besitzt Rattle gerade zu Mahler ein besonderes Verhältnis. Interpretationen der Sinfonik dieses Komponisten haben seine Karriere begleitet. Bereits 1987 spielte Rattle als damaliger Chef des City of Birmingham Symphony Orchestra Mahlers Zweite im Studio ein – und verlieh dem grandiosen Werk, das nichts Geringeres als die Apokalypse und die anschließende Erlösung der Menschheit zum Thema hat, eine bisher nie dagewesene Kraft und Brillanz. Nun ist fast ein Vierteljahrhundert vergangen, Rattles Erfahrung ist gewachsen, und die Berliner Aufführung zeigt eine noch glühendere Deutung, die Darstellung einer entfesselten Welt. „In ihrer Konzentration ist die Aufführung ein Höhepunkt der Gemeinsamkeit Rattles mit den Philharmonikern", schrieb der Berliner Tagesspiegel. Man kann hinzufügen: Auch ein Höhepunkt des Mahler-Jahres 2010/2011 (150. Geburtstag/100. Todestag).
Ab 4. Februar im Handel erhältlich!
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